Bergamasker
Nicht nur ein Hirtenhund

(Übersetzung aus dem Italienischen)
Originaltext

 

Vor einigen Jahren traf ich am Flussufer des Serio einen Hirten mit seiner Schafherde und diskutierten über Schafe, Lämmer und natürlich Hunde. Wir waren umringt von ca. 1000 Schafen, die am Ufer grasten. Mit dieser Herde waren noch Lastesel dabei die den Hausrat des Hirten trugen und vor allem zum Transport der schwächeren Lämmer dienten. Während ich und der Hirte sprachen, sagte er, ohne die Stimme zu verstellen, zu seinem Bergamasker: "Bring die Esel hier her" . Es hörte sich nicht an wie ein Befehl, sondern eher wie ein Ratschlag zu einem guten Freund. Der Bergamasker ging voller Gemütlichkeit zu den Eseln und brachte sie zum Hirten, während die Herde dabei ruhig blieb. Der Hirte bestätigte dem Hund seine Zufriedenheit nur mit einem nickendem Blick, ohne Belohnung oder einer Streicheleinheit. Der Bergamasker legte sich hin, und wartete auf eine neue Aufgabe. Die Bergamasker leben für ihren Rudelführer, immer bereit für eine neue Arbeit, zwischen ihnen wächst eine enge und freundschaftliche Beziehung. voller gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Es sind Hunde, die zuhören und verstehen was ihnen gesagt wird. Für den Hirten sind es nicht nur Helfer sondern auch gute Freunde die sie in den langen einsamen Stunden auf der Wanderschaft begleiten.

Noch heute haben die Bergamasker alle diese Charaktereigenschaften beibehalten die schon damals von den Hirten selektioniert worden sind. Die Bergamasker sind Hunde die mit den Menschen sehr gut zusammenleben. Sie sind bereit Befehle auszuführen, zu spielen, zu rennen oder auch geduldig neben seinem Herrchen zu warten.

Sie sind aufmerksame und aufgeweckte Hunde, immer interessiert was in der Umgebung passiert, gute Wächter und bereit mit der notwendigen Kraft je nach Situation einzugreifen. Sie sind leicht auszubilden als Begleithunde, Obidience, Agility, Sanitätshunde usw. aber ihre eigentliche Aufgabe ist und bleibt das Hüten von Herden, dies tun sie mit Leidenschaft. Diese Begabung ist eine innere, spontane Pulsierung die aus der atavistischen Selektion herkommt.

Seit einigen Jahren besitze ich Schafe und es ist für mich eine wahre Freude meine Bergamasker als Hütehunde auszubilden und herauszufinden was für Unterschiede in der Arbeitsweise, Charakter und physischen Kräfte bestehen. Dabei stellte ich nur kleine Unterschiede von Hund zu Hund fest, alle meine Hunde haben die Freude an der Arbeit als Hütehunde beibehalten. Meine Beobachtungen und Feststellungen galten auch für Hunde von anderen Zuchtstätten.

Der Bergamasker hat sein rustikales Äusseres beibehaltet. Er ist ein Hund von mittlerer Grösse, sehr gut proportioniert, ist kräftig gebaut, hat sehr gute Abwehrkräfte und daher keine besonderen Gesundheitsprobleme. Es gibt keine offiziellen Daten über radiologischen Kontrollen, aber Fälle von Dysplasie sind sehr selten.

In den 50 Jahren als Züchter brauchten meine Hündinnen nie eine künstliche Befruchtung oder einen Kaiserschnitt. Die Würfe der Bergamasker sind zahlreich, 8 bis 12 Welpen, die Hündinnen sind hervorragende Mütter die ihre Welpen sorgfältig und liebevoll aufziehen.

Das Hauptmerkmal des Bergamaskers ist das Fell mit den charakteristischen Zotteln, die in drei Jahren vollständig gewachsen sind. Es muss zwischen dem Ausstellungshund und dem Familienhund unterschieden werden.

Beim Ersteren wird oft irrtümlicherweise nur die Fülle des Mantels bevorzugt ohne die Qualität des Haargewebes zu prüfen. Die Fellpflege bedarf keinen grossen aber einen differenzierten Aufwand. Um den Genitalbereich und den Bauch wird das Fell rasiert, die Schnauze wird gekämmt, die Haare vor den Augen gekürzt. Ein Teil des Felles besteht aus Wolle die im Gegensatz zum Haar keinen Haarwechsel hat, dadurch liegen auch keine Haare in der Wohnung herum wie es bei vielen Hunderassen der Fall ist.

Wer es bevorzugt und wünscht, kann seinen Bergamasker kämmen und bürsten. Das Aussehen verändert sich natürlich aber davon kann die Verbreitung der Rasse profitieren, auch wenn bei Ausstellungen die Zotteln verlangt werden. Das Fell des Bergamasker-Hirtenhundes ist natürlich anders als das Fell des Bergamasker-Ausstellungshundes, es wäre nicht kompatibel mit ihrer Arbeit auf dem Feld, zwischen Hecken und Dornensträuchern.

Die Ausstellung, wie wir wissen, ist etwas spezielles das gefällt und fasziniert, wichtig ist aber, dass dadurch die Rassen nicht geschädigt(1) werden. Download als PDF

Luigi Guidobono Cavalchini, I-Bergamo

 

*Herr Cavalchini ist Züchter von Bergamaskerhunden, Tierarzt und Professor an der Universität Milano. Er ist zudem Vorstandsmitglied des ENCI. (www.enci.it/)

 

(1) Herr Cavalchini hat wortwörtlich geschrieben: rovinare le razze = die Rassen ruinieren.....


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